Mount & Blade

 
   


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Wer gerne im mittelalterlichen Flair, ohne den Einsatz von Magie und mystischen Elementen, einfach auf Schwert, Schild und Bogen gestellt, eine frei erfundene Welt erkunden möchte, ist hier mit der Entwicklung von TaleWorld gut bedient.

Mount & Blade ist ein Spiel, das sich für den kleinen Geldbeutel (ca. 10 €) und Gelegenheitsspieler mehr als eignet. Systematisch ist es wie jedes andere Rollenspiel aufgebaut, d. h. Punkte am Anfang auf die Standardattribute verteilen, dann einen doch schon realistischen Fähigkeitsbaum bewältigen und Waffenfertigkeiten pushen – und schon geht’s los. Interessant ist bei dieser Variante die familiäre Vorgeschichte: denn das unwahrscheinliche tritt ein – man kann sich seine Eltern aussuchen. So bestimmt man seine Abstammung, welche sich dementsprechend auf die nachfolgende Punktevergabe auswirkt. Doch keine Angst vor falschen Klicks, denn Fehler kann man hier nicht begehen. Das Spielgeschehen ist im Endeffekt ein „endless one“, und so kann man den ehernen Jäger über spätere Stufenanstiege auch mal zu einem ganz passablen Kaufmann ausbilden.

Nach der Erschaffung seines Avatars wird man in eine Welt geworfen, die sich aus fünf unterschiedlichen Reichen zusammensetzt – und jedes von ihnen möchte natürlich die Königskrone und damit das Herrschaftsrecht ausüben. Oder einfacher gesagt: jeder möchte soviel erobern, wie möglich. Dies merkt man relativ schnell dadurch, dass man beim Reden mit verschiedenen Landesfürsten gerne mal als Söldner engagiert wird. Falls sich die eigenen Kampfestaten dann auch mundpropagandistisch weiter herumsprechen sollten, ist man von einem Job als Vasall inklusive Option auf eroberte Lehen nicht mehr weit entfernt.

Dies ist jedoch auch schon so ziemlich alles, was man auf dem Weg zu Ruhm und Reichtum im Großreich Calradia werden kann – einen Weg zum Königsthron gibt es im ersten Teil nicht. Allerdings ruft dies keinen Mangel im Spielerlebnis hervor, denn wer sich bewährt, hat schnell mal zwei Burgen und drei Dörfer zusammen. Und diese kann man, falls nötig und erwünscht, auch ausbauen. Das Volk wird es einem danken.

Dementsprechend hat man also die Möglichkeit, als Freelancer herumreisend die üblichen Quests zu lösen oder Karawanen als Räuber zu überfallen, sich einer Partei auf drei Monate als Söldner anzuschließen oder eben Vasall eines angehenden Herrschers über Calradia zu werden. Wichtiger Punkt bei den anstehenden Lebenswegen ist dann auch der, eine ordentliche Party zusammenzuwürfeln. Dies kann man mit dem Anwerben von in jeder Schenke rastenden Berufssoldaten oder Glücksrittern oder durch das Einstellen von „Helden“-Charakteren: diese sind einfach nur mit Namen versehene NPCs, die man jedoch, im Gegenzug zu den normalen Soldaten der Party, mit Ausrüstung und Pferd versehen kann. Außerdem sammeln diese Charaktere, ebenso wie man selbst, Erfahrungspunkte, und da man diese auch noch selber verteilen darf, übernimmt man nebenbei ihre Ausbildung. So kann man sich eine relativ bunte Truppe von Spezialisten zusammenstellen. Und diese wird auch benötigt, denn auf sich allein gestellt wird man bei einer Burgeroberung oder größeren Schlacht nicht weit kommen.

Die Erkundung und das Reisen gestaltet sich aus einer Kartensicht von oben herab, auf dem der Avatar plus entsprechender Party als kleines reitendes Icon (Männchen auf Pferd) dargestellt wird. Die Truppen anderer Fraktionen werden ebenfalls auf diese Art angezeigt, und sollte man Lust auf ein Zusammentreffen oder, bei feindlich eingestellten Gesellen, Kampf haben, klickt man diese einfach an und wartet, bis man ankommt.

Dann jedoch springt der eigentliche Lustmacher dieses Spiels an. Es wird auf eine 3D-Sicht umgeschaltet, die man nach Wunsch aus der Third-Person- oder Egoperspektive bestaunen kann. Man ist gemounted (wie der Spielname schon sagt) und wartet auf den Feind. In unterschiedlichen Hintergründen darf sich nun, ob mit oder ohne Unterstützung, gegenseitig gezeigt werden, wer die längste Klinge hat. Da es unterschiedliche Einheitentypen gibt, kommt so eigentlich selten Langeweile auf. Auch trägt die Befehlsoption für die eigene Garde einen gewissen Anreiz in diese Momente hinein – wer möchte schon, dank zu frühem Ansturm seiner Mannen, die Hälfte seiner Armee beim ersten richtigen Gefecht auf dem Feld zurücklassen? Die Grafik ist vielleicht nicht die beste ihrer Art, doch sieht man die Mühe, die dahintersteckt - und für ein Spiel in dieser Preisklasse ist sie schon mehr als ausreichend. Die Geräuschkulisse lässt sich ebenfalls hören. Und man hat selten soviel Spaß beim Austragen einer feudalen Unstimmigkeit gehabt, wie hier – und dies ganz ohne abfackelnde magische Effekte und Crowd-Control.

Auch wird man nicht alle Gefechte auf dem Schlachtfeld austragen – denn, wie bereits erwähnt, stellen Burgeroberungen- sowie Verteidigungen eine schön umgesetzte Alternative dar.

Die Liebe zum Detail entdeckt man auch bei der Waffenauswahl: ganz nach Geschmack kann sich der angehende Ritter mit Schwertern, Krummsäbeln, Schilden, Bögen, Armbrust und Lanzen ausrüsten. Jede Waffe hat, wie immer, ihre Vor- und Nachteile. So kann man sich natürlich den schönsten und tödlichsten Zweihänder als Standardwaffe aussuchen, schaut dann aber bei feindlichem Pfeilbeschuss ziemlich in die Röhre, weil einem das Schild fehlt. Eine gute Einschätzung der Erfordernisse plus wachsendem Arsenal, um unterschiedlichste Situationen zu bewältigen, ist angebracht. Das gleiche gilt für die Auswahl der Rüstungen und den allseits beliebten Pferden – es gibt für jeden Geschmack etwas anderes.

Alles in allem ist Mount & Blade ein Spiel, das keine hohen Erwartungen an den Käufer stellt, dann aber ein solch extremes Potential für den Gelegenheitsspieler entwickelt, dass man es immer wieder von Neuem beginne würde – und dies kann man dank Charakterexportierung auch mit dem alten Avatar. So startet man mit seinem nun ausgereiften Helden von vorne (wobei nur der Name und die Charakterwerte übernommen werden) und versucht vielleicht, eine andere Fraktion zum Sieg zu führen. Die Charakterstufe behält man bei – es geht damit also nur um den Spielspaß. Und der sollte ja schließlich auch das wichtigste sein.

Viel Spass beim spielen!
Gastautor: Thomas Kruczinski (08.06.11)


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